**** Ronald Reng kenne ich seit vielen Jahren als Autor von Fußballbüchern, etwa über Robert Enke oder Miroslav Klose. Allein deshalb habe ich zu diesem Roman gegriffen. Wahrscheinlich hätte ich ein Buch über die Anfänge des Automobils sonst nicht gelesen.
Der Roman erzählt parallel die Geschichte von Carl Benz und Gottlieb Daimler am Ende des 19. Jahrhunderts. Kapitelweise folgt man mal dem einen, mal dem anderen auf ihrem Weg zur Erfindung des Automobils. Gerade diese Gleichzeitigkeit macht das Buch interessant, weil man sieht, wie zwei Menschen unabhängig voneinander an derselben Idee arbeiten.
Spannend sind vor allem die vielen kleinen Details aus der damaligen Zeit. Benz spricht von seinen „Benzinen“, wenn er seine Fahrzeuge meint. Der Begriff Benzin für den Kraftstoff hat damit natürlich nichts zu tun, wirkt aber aus heutiger Sicht wie eine ironische Namensgleichheit. Anfangs ist außerdem noch von „pferdelosen Wagen“ die Rede. Solche Formulierungen zeigen, wie neu und ungewohnt diese Technik damals war.
Auch andere Gedanken wirken aus heutiger Perspektive fast prophetisch. Carl Benz beharrt zunächst auf den unterschiedlichen Ortszeiten von Mannheim, Stuttgart oder München. Später denkt er darüber nach, dass es vielleicht noch hundert Jahre dauern könnte, bis es einmal eine gemeinsame Währung gibt. Tatsächlich kam die europäische Gemeinschaftswährung ungefähr ein Jahrhundert später – ich habe das als Student der Außenwirtschaft damals selbst miterlebt.
Neben den technischen Entwicklungen streift der Roman immer wieder größere historische Ereignisse jener Zeit. Bismarck taucht ebenso auf wie die Weltausstellung mit dem Eiffelturm oder der Maler Edvard Munch.
Eine kurze, berührende Episode ist die Begegnung von Gottlieb Daimler in Florenz mit Lina Hartmann aus Schwäbisch Hall, die dort als „Donna Lina“ lebt. Diese kleine Liebesgeschichte gehört zu den Momenten, die dem Buch eine persönliche Note geben.
Trotz der interessanten Inhalte fand ich den Roman über weite Strecken recht zäh zu lesen. Der Stil ist nicht besonders flüssig, und manche Passagen wirken etwas anstrengend. Trotzdem hat Ronald Reng als Autor meinen Respekt – deshalb war für mich klar, dass ich das Buch bis zum Ende lese.
Ein ungewöhnlicher Roman über zwei Erfinder und eine Zeit, in der vieles zum ersten Mal geschah, was wir heute für selbstverständlich halten. |