KATRINE ENGBERG - KROKODILWÄCHTER




Autor Katrine Engberg
Titel Krokodilwächter
Originaltitel Krokodillevogteren
Übersetzer Ulrich Sonnenberg
Genre Roman
Erstausgabe 2018
Gerade erst war Julie nach Kopenhagen gezogen, um Literatur zu studieren. Warum musste sie so jung sterben? Erstochen und von Schnitten gezeichnet?
Es ist ein schockierender Fall, in dem Jeppe Kørner und Anette Werner ermitteln. Als bei Julies Vermieterin ein Manuskript auftaucht, in dem ein ähnlicher Mord geschildert wird, glauben die beiden, der Aufklärung nahe zu sein. Aber der Täter spielt weiter.

BÜCHER VON KATRINE ENGBERG


REVIEWS

Durchschnittliche Bewertung: 6 (Reviews: 1)

******
Vornweg bin ich weder klassischer Krimi- noch Thriller-Leser; hier habe ich mich ganz auf die Empfehlung meines geschätzten Buchhändlers verlassen, der mir jenes Werk aus dem Diogenes-Verlag ans Herz legte.

Es handelt sich um eine packende Erzählung voller menschlicher Abgründe. Der Zeitraum - 9. bis 14. August eines nicht näher beschriebenen Sommers - wird in tagesweise gegliederten, etwa 100 Seiten starken Kapiteln beschrieben. Was dazwischen geschieht, ist die tragische Geschichte zwischen Stadt und Land, zwischen Kopenhagen und Jütland, zwischen Julie, Caroline, Esther, dem alten Gregers, Erik Kingo, dem Lehrer Hjalti und seiner Mutter sowie Jeppe und Anette. Das geht zu Herzen, wirkt jedoch nie beklemmend: Man kann nach abendlicher Lektüre des Buches durchaus einschlafen und hat keine Alpträume.

Im Vordergrund stehen die menschlichen Eigenheiten der durchweg sehr speziellen Protagonisten, gleichsam erhält man Einblicke in das Privatleben der Ermittler. Zumindest Teamleiter Jeppe ist "natürlich" psychisch angeschlagen und hat einen langen Leidensweg sowie eine schlechte Ehe hinter sich - möglicherweise ist eine solche Vita das "Muss" unserer Zeit, geht es um Krimis oder Thriller.

Aber die Nordländer kriegen so was ungleich würdevoller, authentischer und leichtfüßiger hin als die politisch korrekten Deutschen, bei denen sich zur typischen extremen Larmoyanz derartiger Charaktere meist noch eine überzeichnet derbe Sprache gesellt - das soll wohl urban, cool und modern wirken, führt aber genau das ad absurdum. Was hier jedoch nicht der Fall ist: Besonders galant interagieren die durchweg sympathisch-skurrilen Charaktere des 503 Seiten starken Thrillers zwar nicht, aber es wirkt nicht aufgesetzt.

Letztlich böte sich wohl eine Verfilmung an - der Stoff wäre meines Erachtens eine gute Grundlage für einen abendfüllenden Film und sicher erheblich würdiger als mancher Psycho-Tatort.

Insgesamt haben wir hier ein sehr spannendes Buch, das mir zwei anregende Leseabende bescherte - auch die sehr klaren Sätze der Übersetzung Ulrich Sonnenbergs, die detaillierte Beschreibung des "Ambientes" und der typisch nordeuropäische Habitus gefielen mir gut. Es ist davon auszugehen, dass ich mich mit der Kopenhagen-Serie Katrine Engebergs im Lese-Winter 2021/22 nicht zum letzten Mal befasst habe.

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