**** Ich habe Jörg Hartmann vor ein paar Wochen bei einer Lesung zu diesem Buch erlebt – und das war beeindruckend. Er hat nicht nur gelesen, sondern gespielt, gesprochen, gesungen. Eine szenische Lesung, besonders berührend das Kneipenlied aus seiner Heimat nach der Trauerfeier für seinen Vater. Wäre das Buch durchgehend so von ihm rezitiert worden, hätte es mich vermutlich noch mehr gepackt.
Das Buch selbst hat mir gut gefallen, vor allem dort, wo es um seine Schauspielerei geht. Diese Einblicke sind interessant und authentisch.
Seine Familiengeschichte ist inhaltlich durchaus interessant, etwa die Passagen über seine gehörlosen Großeltern. Das hat mich auch persönlich angesprochen, da ich seit vielen Jahren mit einem gehörlosen Kollegen zusammenarbeite. Im Buch bleiben diese Aspekte allerdings recht kurz und sind insgesamt etwas zäh erzählt. Sie wirken weniger lebendig als bei der Lesung und haben mich beim Lesen nicht wirklich getragen.
Was mich zudem überrascht hat: Der Dortmunder Tatort kommt kaum vor. Gerade die Rolle des Faber, mit der Jörg Hartmann für viele untrennbar verbunden ist, hätte für meinen Geschmack ausführlicher vorkommen müssen. Das empfinde ich als deutlichen Mangel.
Mein Fazit: Ein solides Buch mit starken Momenten, getragen auch von Sympathie für den Autor, aber mit klaren Leerstellen. Zuletzt editiert: 21.12.2025 14:25:00 |