***** Das stimmt; vor dem letzten Kapitel hätte der Roman eher den Titel "Die Spielerin" tragen können, wird doch die rasch entfachte Spielsucht der "verrückten alten Dame" vorher wesentlich eindringlicher betrachtet als jene des Protagonisten. Dieser ist wie oft bei Dostojewski eine etwas merkwürdige Person. Aus adeligem Hause stammend und mit einem abgeschlossenen Studium arbeitet er zunächst auch geordnet bei einem arg verschuldeten General, der ihn aber nach einem Skandälchen um eine Baronin kündigt. Zu diesem Skandal hat er sich unverständlicherweise von der Stieftochter des Generals überreden lassen (was für ein Idiot), welche in ihrer boshaften Launenhaftigkeit an die unausstehliche Nastassja Filippowna aus "Der Idiot" erinnert. Dostojewski, der selbst spielsüchtig war und dadurch zu manchen Zeiten seines Lebens große Not litt, beschreibt nicht nur in diesem Roman (sondern auch in anderen seiner Werke) den Russen des 19. Jahrhunderts als arbeitsscheu (tatsächlich scheinen die Figuren in seinen Romanen selten zu arbeiten), weshalb das Glückspiel, vor allem das Roulette, angeblich in erster Linie für die Russen erfunden wurde, um schnell und mühelos reich zu werden, und setzt sie lustigerweise in Kontrast zu den geordneten, arbeitssamen, tüchtigen Deutschen. (Naja, er musste es ja wissen, schätze ich.)
Die Verstrickungen zwischen den Personen des Romans werden zunächst ausführlich geschildert, ehe die überraschende Ankunft der bereits erwähnten alten Dame alls Hoffnungen und Pläne des Generals und anderer Charaktere über den Haufen wirft. Die Handlung nimmt dann so richtig an Fahrt auf, sodass man den "Spieler" nicht mehr aus der Hand legen will. Im Gegensatz zu seinen fünf großen Romanen ist hier der Umfang schmal genug, dass man das Buch problemlos innerhalb eines Tages lesen könnte, wenn man es darauf anlegt. Es ist einerseits lustig dabei zuzusehen, wie alles wie ein Kartenhaus zusammenfällt, dazu noch sehr spannend und bisweilen tragisch. Dennoch wäre es mir recht gewesen, die Spielsucht des Protagonisten noch detaillierter erklärt zu bekommen. So ganz klar wurde mir nicht, warum er ihr bis zur letzten Faser seines Wesens verfällt und er sich nicht eine anständige Anstellung sucht (stattdessen verdingt er sich als Diener, wenn er wieder mal alles verspielt hat). Wozu dann überhaupt das Studium? Am Ende des Romans ist wohl keine der handelnden Figuren glücklich, aber das kennt man aus seinen "Dämonen" und anderen Romanen schon. Vielleicht der optimale Einstieg zu Dostojewskis Werk, wobei man auch gleich mit "Schuld und Sühne" starten kann, wie ich es gemacht und sofort Feuer gefangen habe. |