****** Ein gewaltiger Roman mit enormer Sogwirkung. Dostojewski schreibt so eindringlich und plastisch, dass man sich mitten im Geschehen wähnt und fassungslos hilfloser Zeuge wird, wie der arme Student Raskolnikow eine unfassbare Tat begeht, daran beinahe zugrunde geht und seine Liebsten vor den Kopf stößt. Das Mordmotiv ist kein klassisches, sondern Raskolnikow will herausfinden, ob er ein außergewöhnlicher Mensch wie etwa Napoleon ist, der mit schweren Verbrechen davonkommt und dennoch gefeiert wird. Manche Morde würden dem höheren Wohl der Menschheit dienen. Ich habe selten ein psychologisch derart interessantes und intensives Werk gelesen. Ob es die Auseinandersetzungen mit dem Unsympathler Luschin oder jene mit dem Untersuchungsrichter Porfirij Petrowitsch sind, man "hört" fasziniert zu. Besonders erschreckend beschreibt Dostojewski die bittere Armut nicht nur des "Helden" der Geschichte, sondern vor allem der Familie Marmeladow, die in unvorstellbaren Verhältnissen lebt. Nicht unerwähnt bleiben soll die extreme Spannung, die sich durch den gesamten langen Roman zieht. Da zudem die Sprache (in der deutschen Übersetzung) nicht besonders schwierig ist, kann dieser Klassiker der Weltliteratur auch ungeübteren Leser/innen unbedingt empfohlen werden. |