****** Die Robert-Langdon-Romane "Illuminati", "Sakrileg" und "Das verlorene Symbol" lebten von den herrlichen Schnitzeljagden und den mysteriösen Symbolen sowie von den weitreichenden Auswirkungen der jeweiligen Verschwörungen auf die Menschheit.
Auch "Inferno" weiß den Leser wieder in beiderlei Hinsicht zu befriedigen. Auffallend ist aber, dass es diesmal weniger die Symbole sind, welche eine elektrisierende Stimmung im geneigten Leser auslösen, sondern es vielmehr die globale Bedrohung ist, welche wie ein Damokles-Schwert über dem Geschehen hängt und welche unter allen Umständen verhindert werden muss. Das Thema Bevölkerungswachstum, das die Grundlage von "Inferno" ist, berührt auf unangenehme Weise und lässt den Leser womöglich etwas unwohl zurück. Damit greift Dan Brown erstmals ein wirklich relevantes Thema auf - die Entdeckung, dass Jesus eine Tochter gehabt hat, hätte wohl vergleichsweise wenig Auswirkungen auf die Gesellschaft.
Was "Inferno" nun aber wirklich auf den Standard der bisherigen Langdon-Romane hebt, ist das raffinierte Verdrehen sämtlicher Tatsachen, sodass man gegen Ende des Buches erkennen muss, dass tatsächlich absolut nichts so ist, wie es über hunderte Seiten hinweg zu sein schien. Zwar bedient sich Brown dabei an kleineren Zufällen, die etwas konstruiert wirken, doch im Großen und Ganzen geht sein Verwirr-Spiel auf und zwingt den Leser, das bisher Gelesene noch einmal völlig neu zu überdenken und sämtliche Szenen des Romanes in einem gänzlich anderen Licht zu betrachten.
Aus meiner Sicht ein womöglich übertriebenes, an manchen Stellen etwas konstruiertes, in seiner Gesamtheit aber voll und ganz gelungenes, höchstspannendes Lesevergnügen! Denn sind Romane nicht unter Anderem dazu da, sich ein unwahrscheinliches Szenario auszudenken und dann über mögliche Konsequenzen nachzusinnen? |